Interview

Foto: Martin Auer/Michael Königshofer für moodley
Foto: Martin Auer/Michael Königshofer für moodley

Seele und Respekt für Brot

Bunte Shop-Portale, ­lässige Sprüche, Filialen, die Emotionen mitgeben, und gehörig viel Seele und Respekt für das Brot. Nebenbei denkt Martin Auer viel über sein Unternehmen nach.

Pinke Geschäfte, lässige Sprüche. Woher kommen Kreativität und die ständig neuen Ideen von Martin Auer?
Zunächst denke ich viel nach – darüber, wo unser Unternehmen derzeit steht und wo wir anknüpfen können, um es stets noch ein wenig besser zu machen. Meine Frau Barbara und ich reisen außerdem viel und studieren dabei, welche Ideen es anderswo schon gibt, mit denen wir ein wenig großstädtisches Flair nach Graz bringen können. Beim handwerklich wunderbar gefertigten Holzportal am Kaiser-Josef-Platz wurden wir wahrscheinlich am ehesten von den Shop-Portalen im Pariser Marais inspiriert. Bunte Fassaden sieht man beispielsweise in London sehr häufig.


Unzählige Brotsorten, Mehlspeisen und Kaffee. Ist das Sortiment abgeschlossen oder gibt es noch genug Luft nach oben?


Luft nach oben gibt es immer! Ich meine damit aber in erster Linie die Qualität und nicht die Quantität. Klar haben wir und unsere Bäcker und Konditoren immer wieder Ideen für neue Produkte, die wir dann auch ausprobieren. An erster Stelle steht dabei aber immer die Qualität. Wir versuchen nicht, unser Sortiment um jeden Preis zu vergrößern, sondern gehen auf Bedürfnisse und Gegebenheiten ein und testen einfach aus, was passt und was nicht.

Gibt es so etwas wie ein Rezept, um erfolgreich Brot zu backen?

 

Es ist so viel, was ins „Brotbacken“ mit hineinspielt. Ja, wir stellen Lebensmittel her – wir verstehen uns aber als viel, viel mehr als einen reinen Kalorienlieferanten. Brot ist für uns ein Lebensgefühl, wir möchten ihm eine Seele verleihen und haben großen Respekt vor wertvollen Zutaten und dem Backvorgang, der überaus entscheidend für den Geschmack ist. Was zählt, ist aber das Gesamte. Das Produkt und alles, was dazugehört, meine Kollegen in den Filialen, die ihm Emotion mitgeben, und eine ­authentische Marke, die unsere ­Philosophie einfängt.

Sie leiten das Unternehmen bereits in dritter Generation. Wie groß ist die Wahrscheinlichkeit, dass die Kinder diese Tradition weiterführen werden?


Unsere drei Söhne sind in einem Alter, in dem sie noch keine konkreten Pläne für ihr Erwachsenenleben gefasst haben. Für die drei müssen in Zukunft wohl die Rahmenbedingungen passen und das Interesse muss auch da sein. Dann würde ich sagen: Wieso nicht?