von Yvonne Hölzl

Starkoch Tim Mälzer

„Als Gast bin ich Genießer“

Kochen ist für ihn wie Rock ’N’ Roll, und kaum einer rockt die Küche besser als Tim Mälzer. Ein Gespräch mit Deutschlands bekanntesten Fernsehkoch über kulinar(r)ische Erinnerungen aus Graz, steirische Küchenkunst – und Küchenniederlagen!

Tim Mälzer
Foto: Frank Meyer

STECKBRIEF
Tim Mälzer (46), ist deutscher Fernsehkoch, Gastronom und Kochbuchautor.

In seiner Auslandszeit als Koch in London jobbte er zusammen mit dem damals noch unbekannten TV-Koch Jamie Oliver.

Heute zählt er selbst zu den bekanntesten, deutschen TV-Köchen und zeigt etwa in der Koch-Show „Kitchen impossible“ kulinarische Action.

Sie gelten als Rockstar der deutschen Fernsehküche. Macht Ihnen das Kochen überhaupt noch Spaß?
Ich habe das große Glück, dass sich meine private Leidenschaft mit der beruflichen verbinden lässt. Also JA! Am liebsten koche ich noch immer zuhause. Das ist für mich so eine Art meditative Erholung – daheim kann ich mich allen Aspekten der kulinarischen Genüsse hingeben, ganz ohne Regeln.

 

Sie schimpfen viel beim Kochen. Gehören Kochen und Fluchen zusammen?
Sie sprechen bestimmt „Kitchen impossible“ an! Wenn man eine Leidenschaft hat, dann auch den Hang zur Perfektion. In der Show müssen wir kulinarische Ziele erreichen, wo wir vorab schon wissen, dass das nichts wird. Da gehe ich an meine Grenzen, denn ich will perfekt abliefern. Wie im wahren Leben lässt das Scheitern bestimmt auch Ihnen ein „Kruzifix“ über die Lippen kommen, oder nicht?

 

Was kommt bei Ihnen Zuhause auf den Tisch? Und vor allem: wer darf alles kosten?
Zuhause betreibe ich keine aufwendige Küche: Pasta, Salate mit verschieden Ingredienzien wie etwa gratinierter Käse oder Fleisch gibt es sehr oft. Familie und Freunde wissen allerdings mein Hühnerfrikassee besonders zu schätzen. Wir essen dann gerne zusammen mit Freunden, und den „Sofapupsabend“ mit Abendbrot gibt es auch.

 

Sie haben öfters Graz besucht. Was macht für Sie Graz zur Genusshauptstadt Österreichs?
Hier muss ich die Steiermark als Ganzes erwähnen, denn steirische Köche haben ein exorbitantes, fundamentales Fachwissen. Ihre Art,  dieses mit regionaler Bodenständigkeit zu mischen ohne gleich daraus einen Trend zu machen, ist fabelhaft.


Wir sind stolz auf den Grazer Krauthäuptel-Salat und auf das Kürbiskernöl. Schon gekostet?
Ja, ich liebe diese wunderbar nussige Note des Kürbiskernöls. Dieses Produkt muss man aber verstehen – außerhalb Österreichs setzt man es leider zu stark ein und übertüncht damit den Geschmack. Es ist eigentlich wie Balsamico zu verwenden: wenige Akzente reichen.

 

Abseits des Fernsehens betreiben Sie auch Restaurants. Haben Sie ein Erfolgsrezept für Grazer Köche?
Ein Erfolgsrezept gibt es nicht. Mit ist aber die Verbundenheit zwischen Gast und Gastgeber sehr wichtig. Und die Mischung aus Demut und Selbstbewusstsein. Und dann wäre da auch noch die Atmosphäre, die alles abrundet – denn letztendlich sind es die damit verbundenen Emotionen, die den Gast wiederkommen lassen!

 

Der steirische Koch Richard Rauch erreichte Platz 1 bei den AUSTRIA’S 50 BEST CHEFS. Zu recht?
Oh ja! Wir haben schon oft miteinander gekocht und ich muss sagen: er ist für mich trotz seines jungen Alters ein großer Koch. Bei ihm habe ich erstmals „steirische Jakobsmuscheln“ gekocht (lacht). Das sind Stierhoden. Das werde ich niemals vergessen.

 

Und von wem würden Sie sich gerne mal bekochen lassen?
Das ist mir egal, Hauptsache ich werde bekocht. Als Gast bin ich nur Genießer und dankbar, dass sich jemand überhaupt die Mühe macht.