BEDROHT !

In den letzten Jahrzehnten sind in der Steiermark neun Vogelarten verschwunden. Mehrere gelten nach wie vor als stark gefährdet. Mit innovativen Maßnahmen und Projekten versucht man, bedrohte Bestände zu schützen. Eine Bestandsaufnahme.

Fotos: Michael Tiefenbach
Fotos: Michael Tiefenbach

EISVOGEL. Der Eisvogel gehört zu den stark gefährdeten Brutvogelarten in der Steiermark. Er benötigt natürliche Uferabbrüche, um an Gewässern brüten zu können.

 

BLAURACKE

BLAURACKE. Aktuell gibt es nur mehr drei bis vier Brutpaare in der Steiermark.  Durch die Erhaltung von Wiesenflächen soll der Bestand  gesichert werden.

FLUSSREGENPFEIFER

FLUSSREGENPFEIFER. Die ebenfalls stark gefährdete Vogelart braucht für die Fortpflanzung weitläufige Schotterbänke.



Wer wissen will, wie ein Rötelfalke aussieht, kann sich heute den sehnsüchtigen Blick in den Himmel schenken. Fündig wird man hingegen im Buch „Die Vögel der Steiermark“. Der Falke, der früher noch im Süden von Graz gebrütet hat, ist seit 1982 ausgestorben. Auch Heidelerche, Steinkauz oder Schleiereule schwingen ihre Flügel nicht mehr. Das Schicksal des Rötelfalken hat hauptsächlich mit der Intensivierung der Landwirtschaft zu tun, da er als Großinsektenfresser (Heuschrecken etc.) keine Nahrung mehr finden konnte. „Ein Problem, mit dem auch viele andere Arten zu kämpfen haben“, weiß der Zoologe Michael Tiefenbach, Mitautor des Buches „Die Vögel der Steiermark“. Andere Einflüsse, wie etwa das Pestizid DDT, das Eierschalen von Greifvögeln in den 70er Jahren so empfindlich machte, dass sie bei der Brut zerbrachen, gehören zum Glück der Vergangenheit an. Die Bestände seltener Greifvögel wie jene des Wanderfalken konnten sich erholen, der Seeadler kehrte sogar wieder in die Steiermark zurück.

Seit einigen Jahren gibt es auch vom Land Steiermark zahlreiche Projekte, um den Lebensraum bedrohter Arten wie etwa der Blauracke, von der es nur mehr vier Brutpaare gibt, zu erhalten. Es wird versucht, Wiesen zu erhalten und sie extensiv bewirtschaften zu lassen. Wichtig ist hierbei auch ein Verzicht auf Dünger. „Durch Dünger nimmt die Artenvielfalt der Pflanzen ab, in weiterer Folge schwindet auch der Insektenbestand und damit die Nahrungsquelle vieler spezialisierter Vogelarten“, erklärt Tiefenbach den Kreislauf.

Für den Eisvogel, Flussregenpfeifer oder Flussuferläufer, die ebenso zu den stark gefährdeten Brutvogelarten in der Steiermark zählen, wird bei den Gewässern auf renaturierende Maßnahmen gesetzt. Während für den Eisvogel natürliche Uferabbrüche geschaffen werden, in denen er brüten kann, brauchen Flussregenpfeifer und Flussuferläufer weitläufige Schotterbänke, um sich zu vermehren. Seit einiger Zeit erhebt der Verein „Birdlife“ regelmäßig die Brutvogelbestände, um ihre Entwicklungen zu dokumentieren.