Christoph Waltz
Fotos: Jeff Lipsky, Helmut Werb

„Ich bewundere ihn ohne Wenn und Aber.“

Christoph Waltz spricht über Roman Polanski, Quentin Tarantino, die Marktwirtschaft im Filmgeschäft, den Ruhm und „Alita“.

Christoph Waltz
Fotos: Jeff Lipsky, Helmut Werb

Christoph Waltz war schon 52 Jahre alt, nicht gerade ein ideales Alter für einen Karriere-Start im von Jugend besessenen Holly­wood, als der – auch für ihn überraschende – Durchbruch kam, die Rolle des Standartenführer Hans Landa in Quentin Tarantinos Film Inglourious Basterds. „Es gab Augenblicke in meiner Karriere, da war ich am Scheideweg“, erinnert sich Waltz im Interview mit ramp­style. Das Hans-Landa-Lächeln, jenes überheblich-zynische Grinsen, Spott gepaart mit Sadismus und Genie, machte ihn zum doppelten Oscar-Gewinner und sicherte seine Karriere in Hollywood auf Lebenszeit.


Die Anfrage von Tarantino lief übrigens erstaunlich banal ab, meint er. Es gab einen Anruf vom Casting Director, dann kam das Drehbuch. Erst viel später traf er sich mit dem Regisseur – und da war es kein Vorsprechen mehr. Die „Audition“ war zum Gespräch mutiert. Tarantino hatte seinen Film gerettet, Waltz seine Karriere. Die Machtverhältnisse haben sich mit zunehmendem Ruhm seitdem deutlich verändert. Sie müssen nicht mehr jedes Drehbuch lesen, nicht mehr jede Rolle annehmen. Früher gab’s sicherlich kein Nein, wenn Tarantino anruft, heute suchen Sie sich’s raus, oder? „Wenn’s Tarantino ist, würde ich es heute auch noch machen. Was nicht heißt, dass ich mich nicht dafür interessiere, was es ist. Die Verhältnisse mögen sich verschoben haben, aber bei mir hatte das nur die Auswirkung, dass ich noch sturer geworden bin. Dass ich noch dranner bleibe als vorher.“

Auf die Frage, ob man Angst hat, als deutschsprachiger Schauspieler als ewiger „Baddie“ abgestempelt zu werden, sagt er: „Der Böse ist leider eine Nische, weil es die interessantesten Rollen sind. Der Held ist ja nix wert, wenn er keinen Antagonisten hat, der ihm zum Heldentum Anlass gibt. Diese Rollen verlieren in zunehmendem Maße ihre Faszination, weil sie sich der Marktwirtschaft in einer Weise unterwerfen, die dem Drama, nach dem wir als Zuschauer eigentlich dürsten, nicht nachkommt.“

 

Eine seiner Lieblingsrollen sei die des Alan in Polanskis „Der Gott des Gemetzels“. Sie sei in sich geschlossen und würde den Erzählprinzipien gerecht. Polanski sei für ihn einer der ganz großen Regisseure. „Ich bewundere ihn ohne Wenn und Aber. Ich finde nicht jeden Film toll, den er macht. Aber als Regisseur, als Filmdenker ist das Niveau fast undenkbar hoch.“

 

Über seine Rolle als Dr. Dyson Ido in dem Superhero-Movie „Alita“ sagt Waltz: „Was mich an ‚Alita‘ so fasziniert, ist, dass die Grundprinzipien des Dramas seit Tausenden von Jahren funktionieren. Weil die letzten paar hundert Millennien in der Evolution des Menschen keinen so großen Unterschied gespielt haben und unser Geist immer noch auf diesen uralten Prinzipien basiert. Moderne Technologie hingegen möchte uns glauben machen, dass wir diesen Prinzipien nicht mehr unterworfen sind.“



Quelle rampstyle #17, über ramp.space. ramp.space wurde 2007 von Michael Köckritz und Christian Gläsel als Red Indians Publishing gegründet. ramp.space versteht sich als innovative, interdisziplinäre Experimentalplattform für contentbasierte Kooperationen, Projektentwicklungen und Branded Entertainment. www.ramp.space