„Verkehr auf Zimmer 420“

Drogen, über 600 entwendete Teesackerl und horizontales Gewerbe am Zimmer: Ein Grazer Hotelier plaudert über seine Erfahrungen als ehemaliger Direktor in der Spitzenhotellerie. Anonym, versteht sich.

Von Pako Kovacs-Merlini

Jahrelang war der Grazer, der aus Pietätsgründen lieber anonym bleiben möchte, was dem Wahrheitsgehalt der folgenden Zeilen aber nicht im Geringsten im Wege steht, als Manager in der heimischen Spitzenhotellerie tätig und gibt heute noch zu: „Die Hotellerie hat mich immer schon gereizt und tut es noch immer.“


Wobei der Reiz oft auch seine abenteuerlichen Seiten hat, wie er zu berichten weiß. Die Nerven behalten hieß es etwa, als ein bekannter britischer Musiker zu Gast war, nach dessen Aufenthalt das Zimmer um 7.000 Euro renoviert werden musste. „Neben 120 Joints wurden auch zwölf Spritzen gefunden, die Räume danach klinisch gereinigt. Besagter Gast musste durch die Lobby getragen werden, weil er nicht mehr stehen konnte“, erinnert sich der Hotelier. Zum Lachen war ihm auch nicht zumute, als ein amerikanischer Gast in seinen eigenen Exkrementen über den Hotelteppich kroch oder der Leiter einer deutschen Reisegruppe wie selbstverständlich am Frühstücksbuffet 32 Kornspitze für die Jause im Bus richtete.

Vermisst hat der umtriebige Grazer in seiner Hotelkarriere aber nicht nur eine komplette Toilette, die im Zimmer abmontiert und mitgenommen wurde, sondern einmal auch 612 Teebeutel. „Ich kann mich erinnern, das war eine Gruppe aus der Türkei. Eine Dame hatte in ihrer Tasche alleine 153 Teebeutel, mit denen sie abreisen wollte.“ Durch den Tipp eines Stammgastes wurden der Direktor und seine Angestellten darauf aufmerksam gemacht, dass sich auf Zimmer 420 vermutlich Aktivitäten, das horizontale Gewerbe betreffend, zutrügen. Man ging der Sache nach und fand im Zimmer von „Lady Red“, der Künstlername der Dame wie sich später herausstellte, nicht nur Handschellen, sondern auch einen eigenen kleinen Kühlschrank für die prickelnden Erfrischungen. „Wir haben das diskret gelöst und die Dame war uns für unsere Zurückhaltung auch dankbar“, schmunzelt der Erzähler heute.
Kein Pardon gab es hingegen, als man einem pädophilen Gast auf die Schliche kam. Das Hotel erstattete sofort Anzeige und der Mann wurde überführt. „Die Hotellerie ist eine eigene, spannende Welt“, gibt der Anonymus zu und möchte seine Zeit im Hotel trotz aller Vorfälle auf keinen Fall missen.