„Das Scheitern ist allgegenwärtig“.

Foto: MusicAct
Foto: MusicAct

Die Wundertüte der Grazer Theaterszene

„MusicAct ist für mich wundervoll fatal und widerlich genial“, sagt der Darsteller Siruan Darbandi über die Kunst des Grazer Impro-Ensembles MusicAct. Die achtköpfige Gruppe, die sich im Jahr 2009 aus dem Dunstkreis der Jazzuni zusammengefunden hat, hat es sich zur Aufgabe gemacht, improvisiertes Schauspiel mit improvisierter Musik zu kombinieren und begeistert mit fulminanten Bühnenshows seither regelmäßig das Orpheum-Publikum.

VON BERNHARD HOFBAUER

Ohne Dreh- und Notenbuch werden Geschichten und Songs im Moment erschaffen. Das Publikum hat dabei eine aktive Rolle und gestaltet mit Zurufen die Entwicklung des Abends mit. Frei nach den Worten von Forrest Gump sind die Theaterstücke von MusicAct wie eine Schachtel Pralinen – man weiß nie was man kriegt.

 

Auch die Musiker und Schauspieler selbst werden regelmäßig überrascht und wissen im Vorhinein nie, in welche Richtung sich eine Aufführung entwickelt. Es gibt zwar gewisse Formate, an denen sich die Künstler orientieren, die Themen bestimmt allerdings das Publikum. Je kreativer die Begriffe oder Sätze der Zuschauer sind, die eingeworfen werden, umso amüsanter gestaltet sich auch die spielerische Umsetzung.

 

„Das Scheitern ist dabei allgegenwärtig“, erklärt Darbandi, der als eines der Gründungsmitglieder bereits seit acht Jahren an Bord ist. „Die Schauspieler verschreiben sich im Moment der Szene allerdings kompromisslos dem Stück und sagen ‚Ja‘ zu dem Angebot, dass ihnen ihr Gegenüber liefert“, so der sympathische Schnurrbartträger der Truppe weiter.

 

Es gibt zwar verschiedene Qualitäten von Szenen, die wie im Eingangszitat von wundervoll fatal bis widerlich genial bewertet werden können, die Zähne ausgebissen haben sich die Improvisationskünstler von „MusicAct“ aber bislang noch bei keiner Aufgabe, die von den Zuschauern gestellt wurde.

Das Konzept Improtheater mit einer ganzen Jazzband zu unterstützen, ist einzigartig in Europa.

Conrado Molina an den Drums, Michael Ringer am Kontrabass, Manfrel Temmel an der Gitarre und Andreas Semlitsch an der Violine kreieren aus dem Stegreif musikalische Leckerbissen und sorgen für den perfekten Sound-track während den Aufführungen. Das Besondere dabei ist, dass sich die Musiker und Schauspieler gegenseitig beeinflussen und inspirieren. Wort und Musik arbeiten miteinander.

 

Dass musikalisches Schauspiel mit Publikumsbeteiligung keineswegs nur bei klassischen Theatergängern Anklang findet, haben die Künstler schnell bemerkt und veranstalten nun immer wieder auch spezielle Kinderaufführungen. Seit diesem Jahr stehen sogenannte „Froschkonzerte“ auf dem Spielplan, bei dem die Kinder auf der Bühne aktiv zum Singen, Lachen und Tanzen animiert werden. Die Väter und Mütter sind teilweise selbst überrascht, wie stark sich ihre Kinder bei den Aufführungen einbringen und dabei aus sich herausgehen. Selbstverständlich gleicht auch hier kein Stück dem anderen, da die Kinder die Geschichten selbst erfinden.

 

Das Grazer Ensemble kann auch für exklusive Schul- und Gruppenaufführungen für Kinder ab vier Jahren gebucht werden. Zukünftige Veranstaltungen sowie sämtliche Informationen rund um das etwas andere Theater findet man auf www.musicact.at.