Grazer COUTURE CODE

Kleidung ist weit mehr als ein notwendiges Muss. Sie ist ein elementares Kommunikationssystem des Menschen und spiegelt durch individuelles Styling die Persönlichkeit eines Charakters wider. Umso wichtiger ist es, die sich ständig verändernden Codes auch zu verstehen. Graz hat beispielsweise drei davon …

„Der Mode entkommt man nicht“, sagte einst Modedesigner Karl Lagerfeld. „Denn auch wenn Mode aus der Mode kommt, ist das schon wieder Mode.“ Und was Chanel-Koryphäe Lagerfeld feststellt, ist quasi modisches Gesetz. Auch in Graz. Mode kann einem nicht egal sein. Wohl kann man sich gegen ein System oder Konventionen stellen, nicht aber gegen die Notwendigkeit, sich anzuziehen. Jeder muss es – und das prägt den Menschen stärker als seine Physiognomie, Mimik oder Körpersprache. Die einfachste Methode, um über die Mode zu kommunizieren, ist der eigene und persönliche Stil. Markennamen und -symbole funktionieren anders: Sie ordnen den Träger sofort einer bestimmten Geschmacks- und Stilwelt zu.

Und plötzlich ist das eigene Outfit die unmissverständliche Visitenkarte. Ja, Kleider machen tatsächlich Leute. Oder eben nicht. Seinen persönlichen Modestil zu finden und diesen treu zu verfolgen, kann sozusagen zur Lebensaufgabe werden. Wirft man einen Blick auf die Entwicklung der Modestile, so behält Lagerfeld recht: Dinge kommen nicht mehr aus der Mode, sie verschieben sich nur noch. Ein Stil verschwindet nicht etwa, er entwickelt sich weiter. Statt Revolution geht es heute um Evolution und das „Lesen“ des Mode-Codes ist viel komplexer geworden.



SecretRoom
Foto: SecretRoom

Avantgarde – tragbare Kunst

Wer sich jedoch in Graz genau umsieht, der erkennt auch in unserer Murmetropole modische Regeln. Modewandel hat ein System. Fragt sich nur, welches? „Die Schnelllebigkeit der Mode passt sich dem Lebensstil an. Es gibt ein ,Immer-Wiederkehren‘ der Stile, dem Zeitgeist entsprechend“, erklärt Dalia Schober vom Grazer Avantgarde-Showroom Secret Room und erklärt Mode als eine Kommunikationsform. Avantgarde ist eine davon. Puristisch zu kunstvollen Lagenlooks geschichtet und mit der Vorliebe für japanische Kultur, entsteht so Kunst am Körper. Vorzugsweise in Schwarz und Weiß. Allgegenwärtig ist auch der Wille, sich abzuheben und jeglichen Konventionen der Mode zu entfliehen. Auf schlichte und reduzierte Weise. „Avantgarde bedeutet Innovation und den Hang zur Extravaganz“, so Schober. „Avantgardistische Mode ist ihrer Zeit voraus und im Gegensatz zu oft kurzlebigen Trends langfristig.“ Schobers Styling-Tipp: „Unkonventionelle Materialien und Formen geben jedem Outfit eine eigene Note.“ So funktioniert das mit den neuen Silhouetten also.


AVANTGARDE
Der Code: Kunstvolle Schnitte, vorzugsweise in Weiß und Schwarz
In Graz erhältlich: Secret Room
Die Labels: Rick Owens, Barbara I Gongini, Isabel Benenato, Lost&Found
Die Aussage: Kunst am Körper tragen


Urban-Style mit Fashion-Attitude

Foto: Baum&Pferdgarden
Foto: Baum&Pferdgarden

URBAN-FASHION

Der Code: Lässige Silhouetten & Fashion Attitude
In Graz erhältlich: SESTRA
Die Labels: Baum & Pferdgarten, Ichi, Sessún
Die Aussage: Das Besondere finden

Die Grenzen der schmalen oder weiten Konturen sind verwischt. Grazer Männer haben Slim Fit entdeckt und die Frauen bedienen sich bei den Männern im Kleiderschrank. Letzteres nennt man übrigens Oversized-­Look und es gehört zu den Must-haves des Frühlings, weiß Kerstin
Feiertag von Sestra: „Oversized, besonders bei Ärmeln ist top.
Ob Puffärmel oder Volants – ohne Rüschen und Ballon kommt 2017 keine Schulter aus.“ Dabei geht das textile Volumen weg vom Körper, man trägt Mäntel, Shirts und Boyfriend-Jeans gerne übergroß, um urbane Lässigkeit zu vermitteln. Oder um einen Stilvorsprung gegenüber dem Mainstream zu haben, der nicht immer glaubt, es müsse alles wie eine zweite Haut sitzen. Modemetropolen-Styling geht aber auch anders. So, wie es Mailand, Paris und London einst für uns vorgesehen haben: Looks in Form von „stillem Luxus“. Übrigens ein schönes, neues Vokabular des Stils. Hier geht es um das Zusammenspiel von Oberflächen, Farben und Muster. „Schöne, hochwertige Materiellen stehen im Fokus. Der Schnitt ist einfach, aber besonders. Die Farben oft gedeckt, Schwarz, Weiß. Gerne auch in Zart­rosa und Grau. Sleek-Look bei den Haaren und dezentes Make-up komplettieren den Style“, rät Feiertag, die in ihrem Shop französische sowie skandinavische Labels anbietet. Man braucht schon einen geschärften Blick, um diese modische Raffinesse zu verstehen und die speziellen Merkmale zu erkennen. Kaum Details und superbe Materialien sind der neue Geheimcode urbaner Trendsetter.



Rock n Chic

Foto: KKB
Foto: KKB

Dass Rock’n’Roll sich ganz gut mit Glamour verträgt, weiß wohl niemand besser als der Grazer Tattoo-Star Mario Barth, der kürzlich sein erstes Tattoo-Studio in der Murstadt eröffnet hat. Verlieh er doch in Los Angeles schon vielen Hollywood-Sternchen einen Hauch von Farbe. Und was US-Promis en vogue finden, kann dem Grazer modisch wohl kaum schaden. Der Rock-Chic hat sich deshalb sogar in der steirischen Landeshauptstadt schillernd etabliert. „Mit jeder Menge Nieten, Metallic, Lederakzenten und Sexyness als Accessoire“, weiß Yvonne Stankovic von KissKissBangBang. „Man kann die Biker-Jacke heute auch businesstauglich zurechtstylen und Boots kommen mit „Destroyed Jeans daher.“ Kaum eine modebewusste Frau hätte sich vor Jahren noch träumen lassen, in schweren Motorradstiefeln durch den Alltag zu schreiten. Heute gehören Boots für Damen zum nonchalanten Styling einfach dazu. Dem Stilbruch sei Dank. Frauen zeigen sich als wildes und unberechenbares „Runaway Girl“, das nur auf den Moment wartet, aus kommerzieller Damenmode ausbrechen zu können. Und unterm eleganten Pencil-Skirt fürs Büro trägt Frau von Welt vielleicht auch noch ein cooles Tattoo. Why not?

Um Grazer Kleidungsstile zu verstehen, reicht es längst nicht mehr, irgendwann mal das Mode-Abc auswendig gelernt zu haben. Erst durch permanentes Schulen der Augen von grenzüberschreitenden Modetrends können wir die Couture Codes deuten. Da haben es die Männer wahrlich leichter. Denn wie sagte einst Coco Chanel: „Ein Mann kann anziehen, was er will, er bleibt doch immer nur das Accessoire der Frau.“

 

 

ROCK-CHIC

Der Code: Lederjacken und Boots erhalten mit femininer Eleganz stilvollen Chic.
In Graz erhältlich: KissKissBangBang
Die Labels: True You, posh N style
Die Aussage: Cityrocker!