Passione – bildgewordene Sinnlichkeit

VON GERFRIED GOMBOCZ

Die Ausnahmefotografin Danila Amodeo im Gespräch. Ihre italienisch/spanischen Wurzeln kann sie wahrlich nicht leugnen. Mir gegenüber sitzt eine kleine Frau, dunkelhaarig, dunkle, strahlende Augen, quirlig, eine Frau, von der eine intensive Energie und Lebensfreude ausgeht.

grazIN: Danila, zuallererst einmal ganz herzliche Gratulation zum „Landespreis der Berufsfotografie 2019 in der Kategorie „Nude“! Es ist sicher ein sehr befriedigendes Gefühl, wenn nicht nur die Kunden, sondern auch die Fachwelt deine außergewöhnliche Arbeit zu würdigen weiß.
Danila Amodeo: (lächelt) Danke! Ja, ich freue mich unendlich! Ich habe mich wirklich sehr geehrt gefühlt und natürlich ist es auch eine große Bestätigung und Bekräftigung, meinen Weg weiter zu gehen.
grazIN: Ich weiß du wurdest in Genua geboren, hast aber deine Schulzeit in Venedig verbracht, warum?
Danila Amodeo: Das ist richtig. In Venedig besuchte ich das „Istituto statale d’arte“ im Fachbereich Bildhauerei. Es war für mich eine intensive und sehr aufregende Zeit. In gewisser Weise auch eine Zeit der Selbstfindung.
grazIN: Hast du damals schon fotografiert?
Danila Amodeo: Ich habe eigentlich schon vor der Kunstschule begonnen. Als ich ganz klein war, also mit etwa drei Jahren, habe ich Stunden damit verbracht Tiere und Menschen zu beobachten. Mich hat immer schon fasziniert was um mich herum passiert, was ich sehe. Ich habe mich regelrecht in meinen Beobachtungen verloren. In meiner Hauptschulzeit habe ich von meiner Mama meine erste Kamera geschenkt bekommen. Ich erinnere mich noch, dass ich die Kamera überallhin mitgenommen habe, ich habe alles fotografiert was mir vor die Linse kam.
grazIN: Und doch hast du im „Istituto statale d’arte“ das Fach Bildhauerei und nicht Fotografie belegt?
Danila Amodeo: Das gab es dort leider nicht, sonst hätte ich das natürlich auf jeden Fall Fotografie studiert. Auch wenn mir damals noch gar nicht bewusst war, dass Fotografie einmal mein Beruf sein würde.
grazIN: Was hat Dich eigentlich aus bella Italia nach Österreich verschlagen?
Danila Amodeo: Das war vor 26 Jahren. Meine Mutter ist Modeschöpferin und ich unterstützte sie damals bei ihren Präsentationen. Und auf einem Besuch in Graz lernte ich den Vater meines Sohnes kennen. Es war Liebe auf den ersten Blick. Man kann also sagen, die Liebe hatte mich nach Graz gebracht.
grazIN: In Graz wurdest Du dann zur Berufsfotografin?
Danila Amodeo: Ja, aber nicht gleich. Ich bin noch lange zwischen Graz und Italien gependelt, habe als Restaurateurin von Fres-
ken gearbeitet, ich lernte das Mosaiklegehandwerk und es hat mich fasziniert, aber ich fühlte mich noch immer nicht richtig im Traumjob angekommen und zu meinem 35. Geburtstag bekam ich dann von meiner Mama (schon wieder die Mama!) meine erste digitale Spiegelreflexkamera geschenkt; das war die Lilú. Das ein Moment wie eine Art Er­weckung, als ich das Paket mit der Lilú aufgemacht habe, von da an wusste ich, was meine Bestimmung ist. Ich schmiedete sofort konkrete Pläne, habe mich um eine fachliche Ausbildung ge­kümmert und mit der Vorbereitung zur Meisterprüfung begonnen.
grazIN: Deine Kameras bekommen von dir also Namen?
Danila Amodeo: (lacht wieder einmal) Ja alle, die Lilú habe ich immer noch, sie ist noch bei jedem Auftrag dabei. Mittlerweile haben sich aber auch weitere Kameras dazugesellt. Sie sind meine Gefährten und Werkzeuge, una grande famiglia!
grazIN: Du wurdest also eine klassisch ausgebildete Fotografin, was ja inzwischen nicht mehr notwendig ist, um den Beruf auszuüben?
Danila Amodeo: In gewisser Weise ja, aber in dieser Phase der Ausbildung wurde mir immer klarer, dass ich nicht den klassischen Weg der Fotografie gehen wollte. Ich lehnte immer stärker diesen Trend der extremen Bildbearbeitung ab und die Überidealisierung des Menschen. Ich wollte einen eigenen Weg der Wahrhaftigkeit, gehen. Mit meiner Fotografie will ich die innere Schönheit meiner Kunden freilegen.

Danila Amodeo Photography: Landespreis der Berufsfotografie 2019 in der Kategorie „Nude“
Danila Amodeo Photography: Landespreis der Berufsfotografie 2019 in der Kategorie „Nude“
Danila Amodeo Photography
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Danila Amodeo Photography

www.danilamodeo.com

photo@danilamodeo.com

Tel. +45 650 / 45 15 215

Instagram: danila.amodeo.photography

 

Danila Amodeo Photography
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grazIN: Schwerpunkt deiner Arbeit, die Fotografie von Menschen?
Danila Amodeo: Ja, bei mir steht ganz klar der Mensch im Mittelpunkt und auch das Leben, aber ich liebe es auch Tierportraits zu machen.
grazIN: Danila, was ich an deinen Bildern so mag ist ihre Natürlichkeit. Ich habe nie das Gefühl das irgendwas inszeniert wäre.
Danila Amodeo: Ja, ich mag Hochzeitbilder vor allem natürlich. Ich will die Liebe und die Freude zwischen den Paaren abbilden. Nur sehr selten kommt es zu gestellten Aufnahmen. Fast alle meiner Kunden wollen genau diese Authentizität.
grazIN: Hochzeitsfotografie, Paarshooting, Babybauch … Deine Bilder vermitteln Sinnlichkeit und Leidenschaft … ist erotische Fotografie ein Bestandteil deiner Arbeit?
Danila Amodeo: Sinnlichkeit, Erotik … diese Themen interessieren mich seit ich denken kann, das gehört zu meinem Leben, meiner Persönlichkeit. Egal ob Mann oder Frau, ich sehe die Sinnlichkeit, es ist die Art wie sich jemand bewegt, die Ausstrahlung ... Es ist ein ganz starkes Thema in meiner Arbeit.
grazIN: Wow! Wie können wir uns das vorstellen? Wo macht Ihr solche Sessions?
Danila Amodeo: Mehrheitlich kommen Frauen zu mir und wollen solche Bilder für sich selbst oder auch als Geschenk für ihre Partner, doch auch der Anteil an Paaren, die gemeinsam zu mir kommen, nimmt zu. Auf keinen Fall mache ich diese Sessions im Fotostudio! Ich bin generell keine Fotografin, die im normalen Studio aufnimmt. Studioatmosphäre, Blitzanlagen, für mich ist das einfach kein Ort für Sinnlichkeit und Natürlichkeit. Häufig fotografiere ich bei den Kunden zuhause, in deren persönlicher und vertrauten Umgebung, aber auch in schönen Hotels und schon auch mal in der freien Natur.
grazIN: Führst du bei diesen Sessions Regie?
Danila Amodeo: Am Beginn ein wenig begleitende Musik ist bei dieser Art Fotografie sehr wichtig, um auf einer akustischen Welle getragen zu werden und sich selbst zu vergessen, nicht zu posieren, sondern im Moment präsent zu sein, dann lasse ich die Menschen einfach spielen, sich wahrnehmen und der Eigendynamik ihren freien Lauf. Es ist immer wieder wunderschön zu sehen, wie meine Kunden danach strahlen voller Freude.
grazIN: Das klingt ja nach therapeutischen Auswirkungen?
Danila Amodeo: Unbedingt! Sich selbst durch die Augen jemand anderes zu sehen ist bewusstseinserweiternd. Oft haben wir uns für uns selbst zugemacht, nehmen uns nicht mehr als schön oder sinnlich wahr. Als Außenstehende bin ich sozusagen nicht betriebsblind und kann durch meine Sensibilität eine neue Wahrnehmung anbieten.
grazIN: In welcher Form bekommen die Kunden dann das Ergebnis?
Danila Amodeo: Meistens entscheiden sie sich für wunderschöne und edle Bücher in Kunstdruck. Erinnerungen an ganz besondere und wunderbare Momente. Das Resultat macht alle Beteiligten sehr glücklich und ganz besonders mich. Viele Menschen darf ich nun schon über Jahre begleiten mit Portraits, sinnlichen Sessions, Hochzeit, Babybauch … Dieses Vertrauen meiner Kunden in mich, dass sie mich teilhaben lassen an so persönlichen Aspekten ihres Lebens, ist ein unglaubliches Kompliment. Das macht mir viel Freude.
grazIN: Das lassen wir jetzt als schönes Schlusswort stehen. Vielen lieben Dank für das Gespräch, liebe Danila!