Karl Lagerfeld - Foto: ABACA/Press Association Images
Karl Lagerfeld - Foto: ABACA/Press Association Images

„Ich bin wie eine Karikatur meiner selbst“

Lagerfeld über Lagerfeld


KING KARL

Vergessen Sie Pinocchios gemeinen Meister Geppetto, Karl Lagerfeld ist der ultimative Popkultur-Strippenzieher. Von Haute Couture bis High Street ist sein Einfluss deutlich zu spüren; aber wie hat es dieser merkwürdige, deutsche Rebell geschafft, sich in eine globale, modische Tour de Force zu verwandeln?

VON GERFRIED GOMBOCZ

Sie hat mehr als 48.000 Follower auf Twitter, zwei Dienstmädchen, eine Vorliebe für antike Spitze und die Luxusmarke Goyard, und wurde bereits für ein 10-seitiges Feuilleton im V Magazine abgelichtet. Sie ist eine Fashion-Ikone und ein Internet-Superstar. Die Rede ist natürlich von Choupette
Lagerfeld, einer drei Jahre alten Burma-Katze. Zudem dadurch die skurrile Natur der heutigen Welt deutlich wird, in der es absolut plausibel ist, dass eine Katze eine eigene Plattform in den sozialen Medien hat, verdeutlicht diese Situation auch den beeindruckenden Einfluss von Choupettes Besitzer, Karl Lagerfeld. Es ist unmöglich, über die Fashion-Branche zu reden, ohne seinen Namen zu erwähnen: er ist Fashion.

Seitdem er seine berufliche Laufbahn vor 60 Jahren als Assistent von Pierre Balmain begann, ist und bleibt Lagerfeld einer der vorausschauendsten, kreativsten modernen Revolutionäre. Er ist launenhaft und wandelbar, stets die Grenzen der Mode herausfordernd und verändernd. Er sagt, dass wir springen sollen, und wir fragen wie hoch und welche Schuhe wir dabei tragen sollten. Er erklärt Aquamarin zur Farbe der Saison und alle Modehäuser und Magazine tun es ihm gleich, ob nun High End oder High Street. Er ist der Künstler, der die Farbpalette auswählt, mit der alle anderen arbeiten; aber während sie immer noch mit Öl und Pinseln hantieren, skizziert er am iPad und spielt mit einem seiner hundert iPods den DJ, denn „der iPod ist genial“, und wenn Karl das so sagt, dann muss das stimmen.


Karl Lagerfeld - Foto: AP/Press Association Images
Karl Lagerfeld - Foto: AP/Press Association Images

„Ich bin sehr bodenständig. Nur nicht auf dem Boden dieser Erde.”

Lagerfeld über Lagerfeld

Trotz gelegentlicher Fehlschläge ist und bleibt Lagerfeld im Großen und Ganzen unantastbar; das liegt unter anderem an der Kontrolle, die er auf alle Aspekte seines kreativen Lebens ausübt. Er ist ein kultureller Oktopus, dessen Tentakeln an allen Aspekten seiner Designsphäre arbeiten. Er ist fast genauso für seine fotografischen Künste, wie für seine Designkünste bekannt, und fotografiert die Kampagnen für Fendi, Chanel und seine eigene Marke selbst: ein Aufwand, der in der Zusammenarbeit mit globalen Marken eigentlich unmöglich sein sollte. Aber nicht für diesen unaufhaltbaren Deutschen. Die Marke Karl Lagerfeld ist ein übergreifendes Label für ‚Karl Lagerfeld Paris’, der hochwertigen Konfektionsmarke ‚Lagerfeld’ für Männer, und ‚Karl’, welches sich an jüngere, kosmopolitische und digital versierte Kunden richtet. Die letztere Marke ist nur online erhältlich, was erneut beweist, dass Lagerfeld, der eigentlich in der klassischen Mode zuhause ist, seiner Zeit voraus ist. 2004 arbeitete er als erster bekannter Designer mit dem schwedischen High-Street-Giganten H&M zusammen, ein Schachzug, der für so einen elitären Künstler risikoreich erschien. Lagerfeld ignorierte jedwede Kritik und sagte: „Mode ist wie Mayonnaise, entweder es schmeckt, oder es schmeckt nicht.“

„Ich selbst denke gar nicht, dass ich berühmt bin,” wurde Lagerfeld einmal mit typisch trockenem Humor zitiert. „Jetzt ist Choupette so richtig berühmt: sie ist mittlerweile die berühmteste Katze der Welt. Ich bekomme sogar Angebote von Tierfutterfirmen und ähnlichem, aber das kommt nicht in Frage. Ich bin kommerziell. Sie nicht. Sie ist wahnsinnig verwöhnt. Das ist offensichtlich.”
Ob er nun ungewöhnlich bescheiden ist, oder ob ihm an der Unbeständigkeit der Berühmtheit nichts liegt, Lagerfeld schert sich nicht um „Hype”. Er ist eine Legende, und nicht nur im romantischen Sinne. Die Karl Lagerfeld Marke gehört dem britischen Investmentfond Apax Partners, und Chanel hat es auf Platz 85 der Forbes Liste der wertvollsten Marken geschafft. Der Wert der Firma wird auf $6,8 Milliarden geschätzt. Es gibt eine Platinum-Kollektion Karl Lagerfeld Barbie von Mattel, die innerhalb von Minuten ausverkauft war, und 2014, als Cara Delevingne den Fendi-Catwalk mit einer kleinen, pelzigen Puppe, die Lagerfeld sehr ähnlich sah, hinunterschlenderte, führte das zu einer Warteliste an über 600 verzweifelten Kunden, was der Marke angeblich mehr als eine Million Dollar einbrachte. Die weltberühmte Filmreihe Minions haben sogar verschiedene Charaktere für Lagerfeld und seine Modepuppenspielerkollegin Anna Wintour geschaffen. Ob er nun also seinen Starstatus akzeptiert oder nicht, die Legende des Lagerfeld wird seinen sterblichen Körper unlängst überleben, wodurch sich die Frage stellt, ob dieses kreative Genie überhaupt menschlich ist.
Aus dem Munde des Mannes selbst: „Ich bin sehr bodenständig. Nur nicht auf dem Boden dieser Erde.”


ABACA/Press Association Images
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LAGERFELD MIT KATY PERRY – Der Modekönig macht Stars