Foto: Harry Schiffer
Foto: Harry Schiffer

Von der Idee zum Teppich

Text: Yvonne Hölzl, Fotos: Harry Schiffer

Teppiche sind Kunstwerke für den Boden. Und erzählen mit ihren mannigfaltigen Mustern und Materialien ihre ganz eigene Entstehungsgeschichte. Wie jene aus der Teppichgalerie Geba in Graz etwa. Dort knüpft modernes Design an alte Tradition – und nimmt seinen Anfang in Nepal!

Am Anfang eines Geba-Teppichs ist alles grün. Dann nämlich, wenn das Auge über das raue Hochland Tibets, das vom Himalaya-Gebirge und anderen Gebirgs­ketten umschlossen wird, schweift und satte Wiesen als grünes Meer hochstilisiert. So hat es auch Harald Geba gesehen. Schon damals, als er selbst vor rund 30 Jahren am Anfang der Entstehungsgeschichte seiner Teppiche stand. Und damals wie heute ist es auch genau diese karge Landschaft mit ihren rauen Strukturen, die ihn zu neuen Teppich-Designs inspiriert. Erst kürzlich wieder, als er zuerst in Tibet, dann in Nepal seine Produktionsstätten besuchte.


Qualität eines langlebigen Teppichs
Und genau dort grasen auch jene Hochgebirgsschafe, deren Wolle sich für die Qualität eines langlebigen Teppichs verantwortlich zeichnen, weiß Harald Geba: „Die langen Fasern und das viele Wollfett sind natürliche Eigenschaften, die in der Wolle erhalten bleiben. Qualität und besondere Hapitik sind damit garantiert.“ Die Wolle wird nicht chemisch gereinigt, sondern im Gebirgsbach gewaschen, händisch aussortiert und an der Tibetischen Sonne getrocknet. Hinzu gesellt sich die Geba-Farbpalette, deren harmonische Nuancen aus Naturfarben durch leichte Abweichungen der naturbelassenen Wolle lebendig bleiben. Danach trifft Design auf alte Handwerkskunst: Das Knüpfen der ­Teppiche. Das findet in den Ateliers in Nepal statt, wo der tibetanische Schlingknoten, der auf eine Jahrtausende alte Tradition zurückblickt, Ornamente und Muster mit für den Alltag geeigneter Robustheit vereint. Alles hochqualitativ, kreativ und Fairtrade natürlich. „Ich kenne viele Knüpferfamilien schon seit Anbeginn persönlich. Daraus ist ein familiäres Miteinander entstanden, das man in jedem Teppich erfühlen kann, sofern man das möchte“, so Harald Geba.

Passion für Teppichhandwerk
Was ihn vor 30 Jahren dazu bewegt hat, den klassischen Teppich zu verdrängen und sein modisches Pendant in Haushalten salonfähig zu machen? Die persönliche Ideologie und die Passion für Teppichhandwerk sollen es gewesen sein, die ihn bereits im Schulalter gepackt haben. Daraus ist bis heute mehr geworden. Viel mehr. Die erste Grazer ­Teppichgalerie etwa, die seit 1987 das Hauptaugenmerk auf künstlerisches Design mittels Fairtrade-Herstellung legt. „Der ­Teppich, den es heute als modisches Inte­rieur-Accessoire gibt, gab es in den 90ern noch nicht“, erklärt der Teppich-Kosmopolit. „Ich hatte die Idee, moderne Kunst mit Teppich­design zu verbinden, als junger Mann bei meinem beruflichen Auslands­aufenthalt in London. Das war auch der Beginn meiner Geba-­Teppiche.“ Was dann kam, war der bis heute internationale Erfolg, der auf den in mühevoller Handarbeit geknüpften Teppichen beruht.


Von New York bis Graz
Kunst und traditionelle Handwerkskunst haben für Harald Geba aber schon immer zusammen gehört. Das zeigt er nicht nur mit seinen eigenen Teppichentwürfen, sondern ebenso mit erlesenen Künstler-Kollaborationen. Der Ex-Grazer und Wahl-New Yorker Klaus Kempenaars, mit dem die Teppich-Kollektion „geknüpftes Graz“ entstand, ist einer davon. Der französische Modeschöpfer Emanuel Ungaro ein weiterer. Für Zweiteren entwickelt Geba aktuell sogar eine eigene Teppich-­Linie, die der Modedesigner als Interieur-Kollektion in Paris verkaufen wird. „Stoffe und Muster werden von Ungaro vorgegeben, den Rest trage ich mit meinem Know-How und meiner Kreativität bei“, so Geba. Teppich-Couture also. Aber hat man bei so viel innovativer Teppichkunst noch weitere Ideen für die nächsten 30 Jahre? „Aber natürlich! Ich halte mir noch reichlich Ideen für die Zukunft offen.“ Eines sei schon verraten: Dabei geht es um Teppich-Installationen in New York und London, weitere Künstler-Kollaborationen und darum, die Grazer Teppichgalerie zu einem Ort der Begegnung zu machen – mit originellen Kunstprojekten und Kultur­events. Ganz international, über den Teppichrand hinaus und doch mitten in Graz.

www.geba.cc