Schlauheit und zehn Hektar

Mit dem Bachelor-Lehrgang „Nachhaltiges Lebensmittelmanagement“ werden an der FH JOANNEUM Graz Fachkräfte für die boomende Lebensmittelbranche ausgebildet. Was als Pionierarbeit in Österreich begann, setzt sich ab Juli im eigenen Master-Studium fort.

Lehrgang „Nachhaltiges Lebensmittelmanagement"
Aktuell lernen wieder 36 Studierende im Lehrgang „Nachhaltiges Lebensmittelmanagement“ an der FH Joanneum Graz ein breites Fachwissen entlang der Wertschöpfungskette. Vom Anbau der Produkte bis hin zum Vertrieb.

Die großen Dinge passieren ja bekanntlich im Kopf. Auch in diesem Fall. Während einer Zugfahrt dachte Karl Pfeiffer, Rektor und wissenschaftlicher Ge­schäfts­führer der Fachhochschule FH JOANNEUM, über die regionalen Genüsse der Steiermark nach. Und natürlich über die Hochschule. Eine Verbindung zwischen den Gedanken kam auf Schiene.

Die Lebensmittelproduktion zählt in Österreich zu den größten und international zu den erfolgreichsten Wirtschaftszweigen. Experten für nachhaltige Lebensmittelproduktion, Verarbeitung, Handel und Logistik sowie Entwicklung neuer Produkte sind absolut gefragt. „Karl Pfeiffer hat vor fünf Jahren im Hintergrund begonnen, an einer Idee zu arbeiten. Heute sind wir Pioniere in einem Bereich, der boomt wie nie zuvor“, weiß Johannes Haas, Vorsitzender des Departements für Engineering an der FH JOANNEUM und Studiengangsleiter für Nachhaltiges Lebensmittelmanagement.

Haas hat vor 15 Jahren das erste duale Studium in Österreich entwickelt. Aus ganz Österreich bewerben sich Menschen (vorwiegend junge Frauen) für die 36 Studienplätze des Bachelor-­Studiums. Ab Juli wird auch ein Master-Studium mit 15 Plätzen angeboten. Einzigartig in Österreich.

„Für 14- bis 18-Jährige ist das Thema Lebensmittel ein absoluter Trend und dieser setzt sich weiter fort. Vom ­Setzen der Tomatenpflanzen über die Verarbeitung zu Ketchup und den Vertrieb in die Supermarktregale sowie den bäuerlichen Spezialitätenmarkt umfasst das Studium alle Prozesse“, bringt Haas ein Beispiel für die Wertschöpfungskette, die im Studium am Bauernhof beginnt und im Labor endet. So sind aktuell alle 36 Studierenden auf Bauernhöfe in ganz Österreich verteilt.

 „Man darf dabei aber nicht vergessen, dass es sich um ein technisches Studium handelt, und beim Reihungstest der Bewerbungen geht es um Physik, Mathematik und Chemie“, stellt Haas, der aus der Produktionstechnik kommt, klar. In Kombination mit Kreativität, einem Netzwerk von zahlreichen Firmenkooperationen (Agrana, Messner, BrauUnion) und Regionalität zeichnet der Studiengang ein durchwegs komplexes Bild. Das Studium spannt einen weiten Bogen von naturwissenschaftlichen Grundlagen wie Chemie, Tierhaltung, Pflanzenbau sowie Mikrobiologie über Technologien der Verarbeitung bis hin zum Management und Vertrieb.

Auch die Sensorik wird unterrichtet, weil die Geschmackstechnik in diesem Segment extrem wichtig ist. „Nur wer das Lebensmittel als Ganzes versteht, kann es auch gut machen“, lautet das Motto. Nachhaltigkeit bedeutet für Haas auch, an die kleinen Bauernhöfe zu glauben, ohne Romantik, sondern mit der Schlauheit, auch mit zehn Hektar Land ein gutes Leben führen zu können. „Es geht darum, im Hintergrund die Bauernhöfe und die Jungen, die sich für diese Themen interessieren, zu unterstützen, damit die Menschen in der Landwirtschaft bleiben.“ Haas will junge Menschen, die den elterlichen Hof übernehmen wollen, durch das Studium neue Ideen und Perspektiven übermitteln. „Mein Wunsch wäre, dass Start-ups in diesem Bereich unsere Hilfe in Anspruch nehmen. Die Hauptaufgabe des Lehrgangs ist, junge Menschen bestens auf das Berufsleben in einer aufsteigenden wirtschaftlichen Sparte vorzubereiten. Die Arbeitswelt können wir nicht ändern, aber wir können den Studierenden durch eine breit aufgestellte Praxisausbildung innerhalb dieser drei Jahre einen Startvorteil verschaffen. Darin sind wir gut.“


Johannes Haas
Johannes Haas, Studiengangsleiter Nachhaltiges Lebensmittelmanagement

„Wir können den Studieren­den durch eine breit auf­gestellte Praxisausbildung innerhalb dieser drei Jahre einen Startvorteil verschaffen. Darin sind wir gut.“



Fotos: FH Joanneum/Stefan Leitner