„MULTIORGANVERSAGEN“

Unglaublicher Bauskandal in Graz !

Über Jahre hinweg betrog ein Grazer Unternehmer mit dubiosen Baugeschäften zahlreiche Partner, Lieferanten und Käufer. Während er im Luxus lebte, zittern eifrige Sparer um ihr letztes Hab und Gut.
Ein Bericht.
Für den Beschuldigten gilt selbstverständlich die Unschuldsvermutung.

Exklusiv: Vom Bau in den Bau - der große Grazer Immobilienskandal

Skrupel war für den 41-jährigen Grazer Unternehmer ein Fremdwort. Während er im Außenpool über dem südafrikanischen Kapstadt in die Sonne tauchte, zitterten unzählige Anleger um ihren letzten Cent. Starren heute noch ungläubig in die „fertig“ gestellten Räume ihrer Wohnungen, in denen nahezu alles fehlt.

Graz erlebt einen Bauskandal, den es in diesem Ausmaß wohl noch nie gegeben hat. Der Grazer Anwalt Gregor Kohlbacher, der in dieser Causa seit Anfang an involviert ist und bereits viele Geschädigte vertritt, spricht nicht von einem Bauskandal, sondern von „einem Multiorgan-versagen der Behörden und der Justiz.“

Aber wie konnte es dazu kommen? Was ist passiert? Bereits im August 2014 wird bei der Staatsanwaltschaft in Graz ein Akt angelegt, der den Unternehmer mit dem Verdacht der Untreue (§153 StGB) und schlussendlich auch des Betruges konfrontiert.

Aus der Sachverhaltsdarstellung geht hervor, dass der Unternehmer „vorsätzlich für die Bauführung Gesellschaften aus seinem Einflussbereich zu überhöhten Entgelten beauftragt hat.“ Der Unternehmer zeigt sich davon unbeeindruckt und frönt weiterhin seinem aufwendigen Lebensstil mit Sportwägen und Fernreisen in seine Domizile nach Südafrika. Dazu später.

Am 21. Mai 2015 erfolgt ein Bericht an die Steuerfahndung, die acht Tage später aktiv wird und die Liegenschaft der „Gut Kellerhof Holding GmbH“ in Hausmannstätten, die sich im Besitz des Unternehmers befindet, beschlagnahmt und durchsucht. Die Beamten staunen unter anderem über einen Fuhrpark von sechs Luxuskarossen (Audi A8, Range Rover, Ferrari), deren Leasingraten zwischen 35.000 und 40.000 Euro betragen.

Der Unternehmer wird später gegenüber der Finanz zu Protokoll geben, dass er über ein Nettoeinkommen von zirka 3.000 Euro verfügt. Im Gegenzug dazu müssen sich Käufer von Wohnungen der Holding von den versprochenen Kellerabteilen aus Metall verabschieden und mit Holzverschlägen anfreunden. Die Materialdifferenz schluckte wahrscheinlich einer der Acht-Zylinder. „Hier wurde vorsätzlich betrogen und Menschen, die ihr letztes Geld in diese Immobilien gesteckt haben, stehen vor dem Nichts. Aktuell ist die volle Zahl der Geschädigten noch nicht abzusehen, aber wir sprechen von mindestens hundert Betroffenen“, so Kohlbacher, der immer wieder neue Geschädigte berät und gemeinschaftlich im Strafverfahren deren Ansprüche geltend macht.


Faksimile: kriminelle Energie
IM NAMEN DER REPUBLIK: Bereits im September 2016 nimmt das Landesgericht für Zivilrechtssachen Graz in einem Urteil (12 Cg 33/&15a) Notiz von der kriminellen Energie des Unternehmers.
Faksimile: BESCHLUSS WEGEN DES VERDACHTS DER UNTREUE
BESCHLUSS WEGEN DES VERDACHTS DER UNTREUE - „Game Over“ für den freizügigen Unternehmer aus Graz: Das Landesgericht für Strafsachen in Graz verhängt wegen des Verdachtes der Verbrechen der Untreue und der betrügerischen Krida die U-Haft.
Verschiebungen von  Geldern des Unternehmers nach Südafrika
Seit Juni 2017 liegen im Zuge einer Hausdurchsuchung auch die Verschiebungen von Geldern des Unternehmers nach Südafrika nahe. Dubios: Tochterfirmen sind nach wie vor aktiv und überweisen Gelder von Käufern in die Familienstiftung nach Kapstadt.

In einem Urteil des Landesgerichts für Zivilrechtsachen Graz (12 Cg 33/15a) heißt es: „Es dürfe nicht übersehen werden, dass der Geschäftsführer über eine evident um­fangreiche kriminelle Energie verfüge …“ Weiters habe der Unternehmer „… mit all seinen Gesellschaften stets nach dem gleichen Muster bewusst und vorsätzlich sowohl Kunden als auch Gesellschafter und Financiers geschädigt.“

Nach einer Folgeanzeige einer Grazer Bank im August 2016 klicken im Juni dieses Jahres für den Unternehmer dann die Handschellen. Doch während bei Kleinkriminellen bei geringeren Vergehen sogar die Bausparverträge der Kinder gesperrt werden und die Staatsanwaltschaft jegliche Mittel nutzt, um Erspartes zu sperren, wird in dieser Causa eher „salopp“ reagiert.

Die Liegenschaften des Unternehmers in Südafrika, deren Wert sich auf zirka 3,5 bis 5 Millionen Euro beziffern, können per Internet nach wie vor über einen Internet-Ferienanbieter gebucht werden und wurden auch nachweislich bis Jänner 2017 vermietet. „Wir haben uns in diesem Ambiente sehr wohlgefühlt“, schmeichelten die Gäste der Infrastruktur nach Besuch der Villa, wie in einer Rezension nachzulesen ist.

Davon können die Käufer der Grazer Wohnungen, die der Unternehmer ihnen versprochen hat, nur träumen. Am Türschild der Niederlassung in Südafrika steht auch frank und frei „Gut Kellerhof“. Was soll man denn auch verstecken, außer ein paar Millionen veruntreuter Gelder?

Nachweislich reiste der Unternehmer mit seiner Familie im Zeitraum zwischen 2014 und 2017 sechs Mal nach Südafrika, was mit kolportierten Reisekosten von 200.000 Euro zu Buche schlug. Holzklasse? Fehlanzeige. Es handelt sich am afrikanischen Türschild im Übrigen um jene „Gut Kellerhof Holding GmbH“, gegen welche am 13. Mai 2015 das Konkursverfahren eröffnet wurde (FN 321907v/26 S 64/15 d) und die bis heute indirekt über die Tochtergesellschaft „Gut Kellerhof Projektentwicklungs GmbH“ als Treuhand-unternehmen noch aktiv Bauprojekte in Grambach und Berndorf betreibt. Damit noch nicht genug: Die „Gut Kellerhof Holding GmbH“ tritt nach wie vor noch als Hauptgesellschafter der aktiven Projektentwicklung auf. Und die Tochterfirma transferiert munter Gelder an den Trust der Familienstiftung, deren Begünstigter der Unternehmer und seine Familie sind.



„Aktuell ist die volle Zahl der Geschädigten noch nicht abzusehen, aber wir sprechen von mindestens hundert Betroffenen.“


„Hätte man den Machenschaften nach der Verhaftung einen Riegel vorgeschoben und das gesamte Netzwerk erkannt, hätten sicher weitere Schädigungen vermieden werden können.“


„Hier wurde vorsätzlich betrogen und Menschen, die ihr letztes Geld in diese Immobilien gesteckt haben, stehen vor dem Nichts.“

RA Gregor Kohlbacher
RA Gregor Kohlbacher


Insofern liegt der Verdacht nahe, dass sich Anzahlungen, die Käufer der beiden Projekte in Grambach und Berndorf geleistet haben, schon auf dem Konto der Familienstiftung in Südafrika befinden.

Der Redaktion liegt ein Schriftstück vor, welches die Überweisung von 5.000 Euro zur Gründung der Familienstiftung von einem steirischen Bankkonto vom 21. März 2017 belegt. Zur Erinnerung: Zu diesem Zeitpunkt war das Firmenkonstrukt schon nahezu zwei Jahre in Konkurs.

Der Schaden, den die insgesamt sieben Projektfirmen des Unternehmers, die sich mittlerweile zur Gänze in Insolvenz befinden, angerichtet haben, beziffert sich auf zirka elf Millionen Euro.

Aber wie kann ein insolventes Unternehmen, deren Geschäftsführer im Gefängnis sitzt, einen Bau finanzieren? „Mir ist das absolut unverständlich. Auch die Masseverwalter haben davon gewusst. Dass dieses Konstrukt und mit ihm der Unternehmer nach seiner Verhaftung noch weiterarbeiten können, ist ein Skandal.

Hätte man den Machenschaften nach der Verhaftung einen Riegel vorgeschoben und das gesamte Netzwerk erkannt, hätten sicher weitere Schädigungen vermieden werden können“, so Kohlbacher. Fakt ist, dass die Haftgründe für den Unternehmer mittlerweile auf Fluchtgefahr (Südafrika), Verdunkelungsgefahr aufgrund der virtuos anmutenden Fähigkeit zur Verschleierung von Finanzmittelherkünften und Wiederbegehung (aktuell sind zwei Bauprojekte aktiv) lauten. Laut Anklage ist der aktuelle Tatbestand jedoch nur das Plateau des Tafelbergs vor Kapstadt. Laut Insidern wird die Staatsanwaltschaft aus den Aktenbergen weitere Anklagepunkte präsentieren und weitere private Geschädigte werden einfordern, was ihnen zusteht: Gerechtigkeit.
„Es gilt in diesem Fall die Entscheidungen des Oberlandesgerichtes abzuwarten. Aus anwaltlicher Sicht sind alle Schritte unternommen worden", nimmt Matthias Strampfer, Anwalt des Unternehmers, gegenüber der Redaktion Stellung. Für den Beschuldigten gilt selbstverständlich die Unschuldsvermutung. •••



So wohnte er !

LEBEN IM LUXUS
LEBEN IM LUXUS - In der Umgebung von Graz brauchte der „Master of Desaster“ jeden Euro für sein opulentes Anwesen. Was aussieht wie ein Ufo, ist ein „bescheidener“ Pool.

Und so sollten seine Kunden wohnen …

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